Sonntag, 22. November 2015
Konjunktiv II - Mittlerweile schon ein Mythos?
Eines vorab: Ich bin so ein kleines Deutsch Leistkungskurskind und unsere Lehrerin ist noch immer eine Alltagsheldin für mich. Sie war mit einem Engagement bei der Sache, was man nur selten gesehen hat. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, uns das richtige Deutsch beizubringen, ihre Methoden waren zahlreich. Und so etwas prägt, deshalb reagiere ich manchmal allergisch darauf, wenn sich Leute über die deutsche Sprache auslassen, die noch weniger darüber wissen als ich. Deswegen entsteht der ganze Eintrag hier überhaupt.

Aber genug des ganzen einleitenden Gelabers. Jetzt komme ich zur Sache.

Ich hatte letzte Woche doch wieder ein sehr erheiterndes Gespräch. Mein Gesprächspartner, uhm... nennen wir ihn einfach X, hat irgendeinen Text auf irgendeiner Internetseite gelesen. War es stern.de oder focus.de? Irgendwie in die Richtung jedenfalls und da hat X das Wort „aufnähmen“ gelesen und empörte sich darüber, was das denn für ein Müll ist, so ein Wort gäbe es doch gar nicht.
Ich natürlich bejaht, dass es so ein Wort doch gibt, dass das nämlich der Konjunktiv II von aufnehmen ist. Person X noch immer empört darüber, dass ihm nicht geglaubt wird, schlägt im Duden (also eher auf der Internetseite des Dudens) nach. „Aufnähmen steht nicht drin.“
Dann habe ich ihm erklärt, dass im Duden nur Infinitive stehen und habe ihm die entsprechende Seite gezeigt, wo „aufnehmen“ steht und irgendwo darunter auch „aufnähmen“ als Konjunktiv II.
Seine Antwort: „Nein das ist kein Wort, das akzeptiere ich nicht, das Wort gibt es nicht.“
Ich schon gar nichts mehr gesagt, sondern mir innerlich nur noch gegen den Kopf geschlagen und mir gedacht „Natürlich gibt es das, ich habe es dir doch eben gezeigt.“
Da erhob X erneut die Stimme und sagte: „Wer macht Deutsch eigentlich so scheiße? Es ist doch die Sprache der Dichter und Denker, also wer erfindet so einen Dreck? Das ist genauso wie das neue Jugendwort Smombie, das benutzt auch kein Mensch.“

Ooooooh, oooooh, oooooooh.

Smombie mit dem Konjunktiv II auf eine Stufe zu stellen ist gar keine gute Idee. Es ist wahr, dass solche Wörter wie Smombie, nun nicht wirklich zum Kulturgut der deutschen Sprache beitragen, aber der Konjunktiv II ist ein solches Kulturgut. Diese Wortart war ein wichtiger Bestandteil der Sprache der Dichter und Denker. Heute hört man das leider kaum noch. Genauso wie kaum noch der Genitiv benutzt wird und die meisten im Perfekt oder Plusquamperfekt sprechen als im Präteritum.

Ich bin mit meinem 20 Jahren eigentlich noch recht jung und weiß damit trotzdem so viel mehr, als so einige Leute, die um einiges älter sind als ich. Es gibt so viele, die mit dem Begriff Konjunktiv nichts anfangen können und das ist unheimlich schade. All diese eigentlich ekelhaften grammatischen Formen (ganz ehrlich, ich bin froh, dass ich kein Ausländer bin, der gerade Deutsch lernen muss) sind genau das, was die deutsche Sprache ausmacht. Und das ist unheimlich traurig, dass die meisten Deutschen davon eigentlich gar nichts wissen.

Deshalb möchte ich diese Stelle auch nochmal nutzen, um mich sinnbildlich vor meiner ehemaligen Deutschlehrerin zu verneigen. Deutsch war eines der wenigen Fächer, von dem ich tatsächlich sagen kann, dass ich etwas fürs Leben gelernt habe. Wenn ich genauer darüber nachdenke, vielleicht sogar das Einzige.

Und falls sie das hier zufällig lesen sollte (Ich weiß, dass sie Blogs liest – und ja zu 99,999999% wird sie nicht auf meinen treffen, aber ich habe Träume!): Ihr Abiturjahrgang 2014 will noch immer Ihre Bibliothek sehen! :D

Äh ja, entschuldigt das ganze, wahrscheinlich uninteressante, Geplänkel aber die Nostalgie überkam mich.